Besuch des Stasi-Museums in Berlin

Im Rahmen der Berlinfahrt 2006 besichtigte unsere Klasse 10C das Museum für Staatssicherheit in Berlin.
Ein ehemaliger Häftling der Stasi führte uns auf eindrucksvolle Weise durch das Museum. An einem Modell wurde deutlich, welche gigantischen Ausmaße die Staatssicherheit und sämtliche zugehörigen Gebäude hatten.
Mit einem unvorstellbaren Aufwand wurden die 16,4 Millionen Bürger der DDR bis ins kleinste Detail überwacht. Die Arbeit der Stasi war also sehr breit gefächert. Beispielsweise wurden sämtliche Briefe und Pakete auf ihren Inhalt
untersucht, Telefongespräche abgehört, Wohnungen verwanzt, Spitzel auf auffällige

Personen angesetzt, etc.Im Grunde bedeutete dies für die Menschen, dass sie niemandem mehr vertrauen konnten.

Um die totale Kontrolle der Bevölkerung durchführen zu können, war ein immenser personeller und finanzieller Aufwand notwendig. So beschäftigte das Ministerium für Staatssicherheit 91.000 feste Mitarbeiter und 173.000 sogenannte informelle Mitarbeiter (IM), die ihre Mitmenschen - oft auch Freunde und Familie- ausspionierten und diese Informationen an die Stasi weitergaben. Dort wurden sämtliche Auskünfte akribisch gesammelt und in Archiven festgehalten, die heute frei zugänglich sind.

Von 1957 bis 1989 war Erich Mielke Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Wir hatten die Möglichkeit dessen damaliges Büro besichtigen, von dem aus der "kleine" Mann seine große Macht über die gesamte DDR-Bevölkerung ausübte. Mielke wurde nach Zusammenbruch der DDR wegen eines 60 Jahre zurückliegenden Mordes angeklagt und zu sechs Jahren Haft verurteilt, die er aber wegen Krankheit nicht komplett absitzen musste.

Wer in der damaligen Zeit gegen die DDR und das vorherrschende System war und dies womöglich auch noch offen zugab, hatte absolut keine Chance, weder beruflich noch gesellschaftlich. Jegliche Art von Widerstand wurde sofort unterbunden. Man kam schon für kleinste Vergehen ins Gefängnis, selbst wenn diese nur verbaler Art waren.

Unser Museumsführer hat uns die damaligen Umstände geschildert indem er uns von seinem eigenen Schicksal erzählte. Dadurch wurde deutlich was dieser Begriff "Stasi" und alles was damit zusammenhing in der DDR für den Einzelnen bedeutete.

Für mich - und wohl auch für die meisten anderen aus meiner Klasse - war dieser Museumsbesuch sehr beeindruckend, vielleicht auch etwas erschreckend und auf jeden Fall sehr lehrreich.

Magdalena Spachmann