Was früher Bonn war ist heute Berlin. Haupt- und Regierungsstadt. Im Bundestag werden Gesetze verabschiedet und in verschiedenen Ausschüssen über die Vorhaben diskutiert. Im großen Plenarsaal werden dann Debatten abgehalten, bei denen die einzelnen Abgeordneten ihre Meinung oder die der Partei in 15 Minuten Redezeit vertreten müssen. Während dessen sind die anderen Volksvertreter nicht wie vermutet diszipliniert und stets aufmerksam, nein keineswegs. Die ständigen lauten Zwischenrufe und das Gemurmel scheinen normal zu sein. Eskaliert die Situation allerdings, so hört man den Bundestagspräsidenten oder in unserem Fall die Vizepräsidentin des Deutschen Bündestages Petra Pau (Die Linken ) sagen: "Ich bitte um Ruhe!" Bei dem Besuch der Klasse lOc im Bundestag waren Haushaltsdebatten über deb Umweltetat ein Tagesordnungspunkt. Zuständig für diesen Bereich ist Umweltsminister Sigmar Gabriel (SPD).
Zwischen den einzelnen Beiträgen versorgen die so genannten Saaldiener, deren Frack an Pinguine erinnert, die Abgeordneten mit Wasser.
Ein besonderes Highlight bot uns allerdings eine mit Krone und auffälliger Robe bekleidete Dame auf der Besuchertribüne, die sich später als thüringische Wurstkönigin herausstellte.

Nicht nur die Besuchertribüne im Bundestag ist für Touristen sehr attraktiv, auch die Kuppel des Gebäudes lädt zum Staunen ein. Von dort oben wird einem ein herrlicher Blick über Berlin gewährt. Bei unserem abendlichen Besuch war der Sonnenuntergang und die vielen bunten Lichter besonders beeindruckend. Die Reichstagskuppel steht auch als Symbol dafür, dass das Volk über der Regierung steht. Von oben kann man die Politiker im Plenarsaal beobachten. Die Abgeordneten jedoch können das Volk auf Grund eines spitz zulaufenden Spiegels in der Mitte der Kuppel nicht sehen.

Einen weiteren Einblick in die Arbeit eines Politikers gewährte uns Ewald Schurer (SPD), Abgeordneter des Wahlkreises Ebersberg/ Erding. Er berichtete uns unteranderem davon, dass jedem Politiker ein Mercedes zur Verfügung steht mit dem er sich nach einem langen Arbeitstag vom Abgeordnetenhaus zu seiner Wohnung fahren lassen kann. Außerdem bezog er Stellung zum Thema Genmais, wobei er auch erwähnte nicht immer der Meinung seiner Partei zu sein. Als Abgeordneter der SPD hat er teil an der momentan regierenden großen Koalition, bestehend aus SPD (222 Sitze ) und CDU/ CSU, die 226 Sitze im Bundestag beanspruchen.

Ein weiters Organ der Legislative ist der Bundesrat. In diesem sitzen Vertreter der Länder. Die Anzahl der Mandate richtet sich nach der Einwohnerzahl der Bundesländer. So hat Bayern, entsprechend der relativ hohen Bevölkerungszahl, beispielsweise 6 und Saarland nur 3.

Nach einer interessanten Führung durch das Gebäude konnten wir in einem Selbstversuch Einblick in die Arbeit des Bundesrats bekommen. Dabei teilte sich die Klasse auf die 16 Bundesländer auf und notierte Argumente zum Thema: "Führerschein mit 16 ohne Begleitung!". Die beiden Ministerinnen Karin Stengeli und Lena Spachmann stellten anschließend den Gesetzesentwurf vor und die Landesvertreter mussten dann dazu Stellung nehmen. Herrschte undiszipliniertes Verhalten oder mangelndes Interesse, so bat der Bundesratspräsident Thomas Kunzelmann um Ruhe.

In einer Stunde Sitzung hatten alle sehr viel Spaß und das Diskussionsthema sorgte auch nach dem Besuch noch für ausreichend Gesprächsstoff.

Alles in allem sehe ich die Berlinfahrt als wichtige Klassenfahrt um die Hebel der Macht zu erforschen!


 

von Sophia Weikel